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St. Katharinenkirche

Kunstgeschichte

Baugeschichte und Baustil

Der Bau der barocken Katharinenkirche wurde 1698 vollendet. Der Turm entstand erst hundert Jahre später. Die alten Glocken von St. Martin sind nicht mehr erhalten. Der einschiffige Raum ist verglichen mit anderen genuin barocken Kirchen, in einem etwas einfa­cheren Stil gehalten. Dennoch verliehen die be­kannten Gebrüder Moosbrugger aus Vorarlberg der Kirche mit ihren kunstvollen Rokoko-Stucka­turen einen vornehmen Klang. 1832 erfuhr die Katharinenkirche ihre erste Renovation. 1913-1919 wurde sie aussen und innen gündlich renoviert. Die letzte umfassende Renovation wurde 1971 vorgenommen. Die St. Katharinenkirche steht unter eidgenössischem Denkmalschutz.

Hochaltar

Der Hochaltar entstand 1707 und ist im spätbaro­cken Stil gehalten. Er ist der heiligen Katharina von Alexandria geweiht, der Patronin dieser Kir­che. Das grosse Bild zeigt die heilige Katharina. Vom 13. Jahrhundert an war sie nach Maria die am meisten verehrte Heilige in unserem Kulturraum. Der Legende nach war die Patronin der Kathari­nenkirche eine gebildete christliche Jungfrau aus dem ägyptischen Alexandria, die wegen ihres christlichen Glaubens die Ehe mit einem römi­schen Herrn abgelehnt habe. Aus diesem Grund hätte sie dieser foltern und mit dem Rad hinrich­ten lassen. Der Sarkophag mit ihrem angeblichen Leichnam befindet sich in dem nach ihr benann­ten Katharinenkloster auf dem Sinai. Auf dem Bild ist die heilige Katharina auf einem zerbrochenen Rad kniend und betend dargestellt. Das Rad, mit dem sie gefoltert werden sollte, wurde auf wunderbare Weise vom Blitzschlag zerbrochen und Katharina blieb verschont. Da­nach wurde sie aber mit dem Schwert enthauptet. Über ihr schwebt ein Engel mit Kranz und Palme, den Siegeszeichen der christlichen Blutzeugen.

Die Legende Katharinas weist starke Parallelen zur histori­schen Hypatia von Alexandrien auf, einer berühmten Philo­sophin, die im Jahre 415 von fanatisierenden Christen er­mordet wurde. Nach dem Zeugnis christlicher Quellen wurde Hypatia zu Tode geschleift und verbrannt. Das lässt die Historiker zum Schluss kommen, dass die Legende der heiligen Katharina eine fiktive christlich-propagandistische Umdeutung der historischen Passion der Hypatia ist. Katha­rina wurde bereits vor vielen Jahren aus dem Heiligenkalen­der der römisch-katholischen Kirche gestrichen. Ob histo­risch oder nicht, die heilige Katharina verweist symbolisch auf das Schicksal unzähliger Frauen, die im Verlauf der Ge­schichte gefoltert, gerädert und verbrannt worden sind, weil sie in den Augen religiöser Fanatiker den falschen Glauben hatten oder angeblich mit dem Teufel im Bunde standen. So stellt die heilige Katharina als Symbol eine Ver­pflichtung zur Erinnerung dar und ruft zum Respekt der Glaubens- und Gewissensfreiheit eines jeden Menschen auf.

Oben befindet sich ein kleineres Bild mit der Krönung von Maria. Daneben stehen die heiligen Urs und Viktor, die beiden Patrone des Bistums Basel. Die lateinische Inschrift über dem Hauptbild besagt, dass dieser Altar ‚täglich privilegiert sei‘. Das bedeutete in der damaligen Zeit, dass jeden Tag ‚Ablässe‘ erworben werden konnten (Ablass = Erlass von einer Zeitspanne im Fegefeuer, die von der römischen Kirche erkauft werden konnte). Franz Athanasius von Staal, der Bürgermeister der Stadt Laufen war, stiftete 1707 für den Altar 415 Basler Pfund. Aus diesem Grund befindet sich am Altar das Wappen der Solothurner Patrizierfamilie von Staal.

Seitenaltäre

Beide Seitenaltäre werden durch ausserordentlich kunstvoll gearbeitete, gedrehte und durchbro­chene Säulen gesäumt. Das Hauptbild des Marienaltars (links vom Haupt­ein­gang aus betrachtet), zeigt mit der Abbildung der Heiligen Familie mit Jesus im Knabenalter eine Szene aus einem apokryphen Evangelium.Auf dem Oberbild ist die Vermählung von Joseph und Maria abgebildet. Es wird von zwei Heiligen-Statuen flankiert: Ignatius von Loyola im goldenen Messge­wand und Franz Xaver mit dem Kreuz in der Hand. Zum Altar gehört auch die grosse Sta­tue rechts aussen, welche die heilige Barbara mit dem Turm darstellt.

Auf dem Hauptbild des Magdalenenaltars (rechts vom Haupteingang aus betrachtet) ist Maria Magdalena als Büsserin abgebildet. Im oberen (ovalen Bild) sehen wir den heiligen Hieronymus, die Bibel übersetzend, mit einem zahmen Löwen. Begleitfiguren sind den Franzis­kaner-Heiligen Antonius mit dem Jesuskind und den heiligen Fi­delis von Sigmaringen mit der Siegespalme, der als erster Kapuziner in der Schweiz den Märtyrer­tod erlitt. Als Gegenstück zur heiligen Barbara steht auch ausserhalb des Rahmens eine Äbtissin in der Tracht der Kapuzinerinnen. Es ist die heilige Klara von Assisi, die den weiblichen Franziskaner­orden gründete. Ihr Attribut ist die Monstranz (Schauhostien-Gefäss), mit der sie angeblich ei­nen Angriff der Sarazenen abwehrte, als diese ihr Kloster stürmen wollten.

Kreuzigungsgruppe

In der Mitte des Chorbogens hängt ein grosses Kruzifix. Es bildet zusammen mit den beiden Sta­tuen im linken und rechten Rand des Bogens – Maria und Johannes - eine Gruppe.

Ehemalige Prozessionsstatuen

Die spätgotische Madonna beim Taufstein unter der Orgelempore ist das kunsthistorisch wertvollste Objekt in der Katharinenkirche. Diese Statue wurde seit der Zeit um das Jahr 1500 herum bei Prozessionen durch das Stedtli getragen. Die feinen Gesichtszüge Marias, der kunstvolle Faltenwurf des Gewandes und die Harmonie der Komposition zeugen von einem Kunstwerk eines ausgewiesenen Meisters. Besonders auffallend ist das reiche Mimikspiel des Jesuskindes, das nach einem Granatapfel greift.

Der heilige Sebastian (rechts von der Kanzeltreppe) wurde am Sebastianstag, dem 20. Januar durch Laufen getragen. Er galt als der Pestheilige. Die Statue wurde um jeden Brunnen herum getragen, weil man damals glaubte, verseuchtes Wasser sei die Ursache für die Seuche.

St. Fridolin (an der Wand bei der vorderen Sei­tentüre) ist mit einem Skelett abgebildet, was auf eine Legende zurückgeht. Der frühmittelalterli­che Wandermissionar, der am Oberrhein tätig war, wurde irgendwann zum Beschützer des Viehs er­klärt. Da in Laufen 1735 eine verheerende Vieh­seuche herrschte, wurde eine Fridolinstatue an­geschafft, die am Fridolinstag in einer Prozession durch Laufen getragen wurde.

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